Aktuelles
Der Mensch,
der Mist
und der große Alchimist
Was denkt unser Erfinder, wenn er uns betrachtet? Wahrscheinlich das: „Mist“.
Denn sein Geschöpf stolpert durch die Geschichte, es ist ein Grausen, ihm zuzusehen.
Andererseits: Wenn die Natur Mist sieht, freut sie sich. Denn daraus bastelt sie wunderbare Sachen. Zum Beispiel Blumen. Und was gibt es Schöneres als Blumen? Von einem Fußballspiel einmal abgesehen.
Genau genommen kann die Natur ohne Mist gar nicht existieren.
Und so besteht die Hoffnung, dass aus dem Menschen doch noch etwas Gutes wird.
Aber möglicherweise ist es schon zu spät und unser Erzeuger holt aus....
Da erhebt sich ein Stimmchen. „Halt!“ ruft es aus seiner Hand.
(Nebenbei, das bin ich und man kann sich denken, wie aufgeregt ich bin. Ich
wollte schon immer die Menschheit retten.)
Ich schreie: „Nein, lieber Großer Alchimist! Bitte nicht! Nicht wegschmeißen! Aus uns wird noch was! Vielleicht sind wir schon morgen Gold in deinen Händen!“
Nein, den letzten Satz sag ich lieber nicht, er erinnert an die Alchimisten im Mittelalter, die aus allem Möglichen Gold machen wollten und nur Unfug anstellten.
Nein, am besten erzähle ich unserem Erschaffer von meinem schwedischen Freund Gunnar.
Es war im Sommer, an einem, heißen Tag, da blieb er mitten auf der Sandstraße vor einem Kuhfladen stehen. Er betrachtete ihn aufmerksam. Der Fladen war getrocknet, fast knusprig. Als er mit der Betrachtung fertig war, schubste er den Fladen mit seinen Holzschuhen aufs Feld.
„Ist doch zu schade“, murmelte er und setzte seinen Weg fort.
Gott sei bedankt, das ist vorbei,
der Weltkrieg und noch allerlei.
Doch grade ist es auch nicht schön.
Man hört von ferne Kriegsgedröhn.
Nicht meine Schuld, kann nichts dafür,
drum Fenster zu und zu die Tür!
Ich setz mich auf die Couch und dann
schau ich mir was im Fernsehn an.
Und wenn es draußen blitzt und kracht,
wird einfach lauter hier gelacht.
Man muss es nehmen, wie es ist,
ich bin dann kurz mal ein Buddhist.
Klar, bin ich für Gerechtigkeit.
Doch der ist dumm und der gescheit,
Kein Mensche ist einem andern gleich.
So ist der arm und der ist reich.
Und was die Politik verspricht,
das nennt man besser ein Gerücht.
Und es gibt Lügen haufenweis,
ich glaub nur noch, was ich schon weiß.
Und steht ein Flüchtling vor der Tür,
so frag ich bloß, was will der hier?.
Er soll mal lieber weiter gehn,
er würd mir sonst im Wege stehn.
Und wenn da wer ein Muslim ist,
dem sage ich, werd lieber Christ,
denn einen Bart braucht es dann nicht.
Der deutsche Mann zeigt sein Gesicht.
So leb ich friedlich und korrekt.
Nur eines noch, dann ist's perfekt:
ein guter Schnaps ist angebracht,
damit das Leben Freude macht.
Es war in West-Berlin Anfang der 70er Jahre. Vom Aufstand der Studenten war nicht mehr viel da, aber es gab noch die 1. Mai-Demonstrationen und da wollte ich auch
diesmal aus Solidarität mit den Arbeitern mitmarschieren.
Ich zog mir meinen leichten Regenmantel an, man konnte ja einem Wasserwerfer begegnen, und ging los. Und da standen sie auch schon, die Demonstranten,
seltsamerweise in Gruppen aufgestellt. Ich wollte mich einreihen. Stimmen ertönten: „Welche Gruppe? Welche Gruppe?“ Meinten die mich? Und was meinten die mit Gruppe? Es war keine Reihe von
Menschen, die da vor mir stand, es war eine Mauer. Ich ging zur nächsten Gruppe. Auch dort: „Welche Gruppe? Welche Gruppe?“ Zum Kuckuck. Ich will doch bloß demonstrieren.
Und das tat ich auch, aber neben ihnen mit etwas Abstand. Plötzlich, wie auf ein Signal hin, stürmten alle los, genauso plötzlich fielen sie nach kurzer Strecke
wieder in den Schritt zurück. Das geschah mehrmals. Und ich immer mit, aber einen Schritt verspätet. Dann kamen die ersten misstrauischen Blicke. Sie brannten auf mir. Ich rückte etwas weiter ab.
Die Blicke wurden böse. Ich vergrößerte den Abstand, die Blicke blieben aggressiv, also ein noch größerer Abstand. Am Ende befand ich mich auf dem Bürgersteig. Trotzdem demonstrierte ich weiter,
das war mein gutes Recht. Doch als alle wieder lospreschten, stieß ich auf Gegenverkehr. Schließlich bog ich ab und verschwand in einer Nebenstraße. Und das war meine letzte, wirklich letzte
1.Mai-Demo.
Heute, viele Jahre später, weiß ich, was ich da erlebt habe: den Ausbruch einer Krankheit. Es ist eine Pandemie. Gruppen überall. Es gibt die Rentner, die
Jugendlichen, die Hausbesitzer, die Mieter, die Handwerker, die Radfahrer, die Autofahrer, die Unternehmer, die Arbeiter und so weiter. Ich nenne diese ansteckende Krankheit Grupperitis. Und wer
glaubt, die Gruppen seien nur statistische Begriffe, dem muss ich widersprechen. Denn ein Hausbesitzer, ein Mieter, ein Autofahrer, ein Arbeiter und so weiter fühlt sich am wohlsten in seiner
Gruppe. Er kuschelt sich hinein, glaubt sich geborgen, geschützt, gestärkt, ja, auch mächtiger. Und das hat Folgen: Streitigkeiten und Kämpfe mit anderen Gruppen, im schlimmsten Falle Kriege. Ist
diese Grupperitis uns angeboren, wie die Soziologen meinen, oder ist sie eine Krankheit, ausgelöst durch ein Virus unseres Gesellschaftssystems? Im letzten Falle könnte man was dagegen
tun.
Andernfalls, wenn wir Menschen schon in einer Gruppe leben müssen, wie wär es, wir kuschelten uns nur in eine einzige, nämlich in die Menschheit?
Es war am Sonntag Abend,
da bin ich aufgeschreckt.
An einem Buch mich labend,
hab ich etwas entdeckt.
Der Mann in der Geschichte
ist strenger Moralist,
ihn zieht's zum Rampenlichte,
weil er ein Redner ist.
Er hält sich hoch in Ehren
und scheut kein Wortgefecht.
Doch will ihn wer belehren,
dem geht's dann aber schlecht.
Er ist der Ordnung Stütze,
sitzt gerne zu Gericht.
Er liebt den Spaß, doch Witze,
die ihn betreffen, nicht.
Und steht er vor Gemälden,
schaut er ganz träumrisch drein,
und glaubt, wie diese Helden
zum Ruhm geborn zu sein.
Dann tritt er mit dem linken
auf seinen rechten Fuß,
er kann jetzt nur noch hinken
und schon kriegt er nen Blues.
Doch bald schwenkt er die Fahne,
belebt von Bier und Wein.
Das ist, herrje, ich ahne,
das muss ein Deutscher sein.
Da fing ich an zu denken
und konnte nicht umhin
den Blick darauf zu lenken,
dass ich ein Deutscher bin.
Es war schon später Abend,
da war ich sehr bewegt
und hab, mein Schicksal tragend,
mich brav ins Bett gelegt.
Spaß und Spott
Berliner Jammer
Da haun sie dir nen Altbau weg,
da buddeln sie was ein.
Ich fresse Sand und steh im Dreck..
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und dann nervt mich so ein Tourist,
er hätte gern nen Stein
und fragt, wo denn die Mauer ist?
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und meine Miete ist so hoch,
das könnt im Adlon sein.
Und meine Fenster ziehn wie'n Loch.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und setz ich mich am Kudamm bin,
da hör ich welche schrein:
Mach Platz, da kommt ein Promi hin!
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und will ich mit der U-Bahn fahrn,
muss mir die Bank was leihn.
Das nennen die im Rathaus „Sparn“.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Ich bin geschafft, ich liege flach
und penn gerade ein.
Da gibt's beim Nachbarn Ehekrach …
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Genug! Mir langt's! Ich hau jetzt ab,
ich zieh nach Bonn am Rhein
Da ist es friedlich wie im Grab,
da macht es Spaß, Berliner zu sein.
Das Zitat
Das Leben der reichen unabhängigen Menschen
ist vorläufig noch lächerlich, grotesk, wertlos und
daher zugleich tragisch. Das zu erkennen ist
kolossal wichtig, erstens für die, die nichts
besitzen, damit ihr Neid und ihre Verzweiflung
absterben, zweitens, damit die Reichen eventuell
zur Besinnung kommen, was für gottverlassene
Trotteln sie sind!
Peter Altenberg in „Einleitung zu einem Buch“
Die Reichen und die Schönen
Drei Villen zur Ruhe,
nen Jet und ne Jacht.
Mit Glanz und Getue
wird Highlife gemacht.
Und Drogen zum Lifestyle,
gestrafftes Gesicht,
Champagner a go, weil:
Kaffee wär zu schlicht.
Das Leben als Mode,
zur Party getrimmt..
Man lacht sich zu Tode.
Mal sehn, ob's gelingt.
Es ist versext
Wo kann man noch gehen,
ohne was vom Sex zu sehen?
Auf Plakaten, in Schaufenstern,
überall tut er gespenstern.
Dass die Läden profitieren,
soll der Sex uns animieren,
ihre Dinge anzufassen
und nicht mehr von ihnen lassen.
Irgendwo geschah es dann.
Ein Bikini bot mir an
etwas Teures abzukaufen,
Gott, wie schnell konnt ich da laufen.
Und es hat mal eine Stadt,
dass sie mehr Besucher hat
und die Reichen bei ihr blieben
sich als arm und sexy beschrieben.
Und zum Schluss: Nach all den Sachen
wird den Tod man sexy machen
und bestimmt hab ich im Grabe
Sextoys als ne Reisegabe.
Die jungen Astronauten
Statt Tränen
Training der Gedanken.
Den tragischen Schwänen
Angelhaken in die Flanken!
Nur keine Angst! Revolution
wird zur Regel. Wie Zähneputzen.
Wer vor uns wusste denn schon,
den Mond als Zielscheibe zu nutzen?
Unsre Ahnen krochen
im Moos
und ihr Zukunftsdrang
erzwang
den Fortschritt der Stühle.
Wir sind zu groß
für bequeme Gefühle.
Wir schlagen
Schneisen durch die Rinde
des Himmels.
Raketen tragen
uns durch Wellen und Winde
des Sternengewimmels.
Am Ziel wird Stille sein.
Wir treten in die Geschichte ein.
Wir suchen den Platz
für ein besseres Leben
und hüten den Schatz
des neuen Planeten.
Wir haben die Zukunft gewählt
und Frohsinn und Mut.
Wer sich mit Ängsten quält,
ist schlimmer
als ein Schwimmer
in Mantel und Hut.
Der Rebell
Ins Abendrot geschaut,
sieht mancher da sein Leben.
Schon klingt ein Jammerlaut,
als würd’s kein Morgen geben.
Doch hört, wie einer spricht,
er gibt die bessre Kunde,
hat eine andre Sicht
zu dieser Abendstunde:
"Beim Sonnenuntergang
fühlt ihr der Wehmut Schauer
und singt den Grabgesang
der kurzen Lebensdauer..
Ich aber rühr die Sterne an,
weil in der Lebensdauer
ich unsre Welt verändern kann.
Ich pfeif auf eure Trauer."
Gott und die Menschen
Am Bart hängt ihm der Sterne Reif,
die Augen sind wie Schlitze,
und seine Finger sind zu steif
zum Schleudern seiner Blitze.
Wie hatte er sich abgemüht,
uns eine Welt zu bauen.
Und merkte nicht, was da geschieht:
wir fingen an zu klauen.
Er ließ sich auf ein Bündnis ein,
wir brachen die Gesetze
und mit dem Drang, wie er zu sein,
verlorn wir unsre Schätze.
Es kommt der Tag, dann werden wir
tief in das Weltall spähen
und sehen eine offne Tür,
die führt zu goldnen Sälen.
Und drinnen ist ein Tisch gedeckt,
Gott sitzt dort mit den Tieren.
Man sieht, wie es den Gästen schmeckt.
Uns lässt man draußen frieren.
Doch Gott ist gnädig und er spricht:
"Kommt rein zu meinem Feste.
Und bitte sehr, geniert euch nicht,
für euch gibt es die Reste."