Aktuelles
Zwar steh ich erst am Anfang,
trag noch die Nabelschnur.
Doch stell den Sonnenaufgang
ich bald nach meiner Uhr.
Wie Götter sich bedröhnen
hab ich ja schon entdeckt.
Ich werd mich dran gewöhnen,
weil mir die Droge schmeckt.
Ich werd die Welt aufbrechen,
ich knack die goldne Nuss,
es fließt aus ihr in Bächen
Glückseligkeit, Genuss.
Ich stampf die Milchstraße zu Butter,
und drück auf mein Gesicht
des Himmels Sternenschotter,
und mach mir selber Licht.
Nicht länger soll es heißen,
der Mensch sei Kreatur.
Er ist, man wird ihn preisen,
von göttlicher Natur,
und schafft was Wunderbares:
Das Leben wird Ekstase
das Dasein ein Gerase.
Wer war hat's getan? Ich war es.
Alte Welt, sie ging verloren,
und was Mensch war, ging entzwei,
doch als wär was grad geboren,
kam von ferne ein Geschrei:
Wisst ihr, dass ich täglich
in meinem Schatten
Sonnen ertränke?
Die schönen Goldkrawatten
der Sterne für nichts verschenke?
Und seht, wo ich grad steh:
auf einer Flocke Schnee.
Doch dann wird aufgetischt,
Gewohntes, grau und fade.
Der ganz Spaß.. Wie weggewischt!
Und da liegt eine Made.
Deutsches
Die alte Geschichte
Leis im Buch mit blutgen Seiten
blättert unsres Schicksals Hand
und sie malt aus alten Zeiten
Menetekel an die Wand.
Irgendwas riecht sehr nach gestern.
Alles schien so schön und gut.
Steigt aus tief versteckten Nestern
der Geruch von fauler Brut?
Und sie regen sich und lärmen,
ihre Zukunft käme bald
und verstellte Stimmen schwärmen
von der Süße der Gewalt.
"In die Gräber, ihr Gestalten!"
ruft da wer, "zurück, zurück!"
Wo einst Schreckensschreie schallten,
dröhnt schon wieder Marschmusik.
Und es wehen Nebelschwaden
ihre Fahnen übers Land,
und die Luft ist schwer zu atmen,
ferner Rauch erzählt vom Brand.
Zur Lage
Wächst mit der Vergesslichkeit
auch der Unverstand?
Zeichen der Besessenheit,
Lust auf einen Brand?
Schatten der Vergangenheit
treiben Furcht durchs Land..
Hört, wie’s aus den Gräbern schreit:
"Ist schon Hass entflammt?“
Wie zu einem Kampf bereit
stehn uns Tote zugewandt,
denn sie haben unsre Zeit
als erlebt bekannt.
Spaß und Spott
Berliner Jammer
Da haun sie dir nen Altbau weg,
da buddeln sie was ein.
Ich fresse Sand und steh im Dreck..
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und dann nervt mich so ein Tourist,
er hätte gern nen Stein
und fragt, wo denn die Mauer ist?
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und meine Miete ist so hoch,
das könnt im Adlon sein.
Und meine Fenster ziehn wie'n Loch.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und setz ich mich am Kudamm bin,
da hör ich welche schrein:
Mach Platz, da kommt ein Promi hin!
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Und will ich mit der U-Bahn fahrn,
muss mir die Bank was leihn.
Das nennen die im Rathaus „Sparn“.
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Ich bin geschafft, ich liege flach
und penn gerade ein.
Da gibt's beim Nachbarn Ehekrach …
Es ist kein Spaß, Berliner zu sein!
Genug! Mir langt's! Ich hau jetzt ab,
ich zieh nach Bonn am Rhein
Da ist es friedlich wie im Grab,
da macht es Spaß, Berliner zu sein.
Das Zitat
Das Leben der reichen unabhängigen Menschen
ist vorläufig noch lächerlich, grotesk, wertlos und
daher zugleich tragisch. Das zu erkennen ist
kolossal wichtig, erstens für die, die nichts
besitzen, damit ihr Neid und ihre Verzweiflung
absterben, zweitens, damit die Reichen eventuell
zur Besinnung kommen, was für gottverlassene
Trotteln sie sind!
Peter Altenberg in „Einleitung zu einem Buch“
Die Reichen und die Schönen
Drei Villen zur Ruhe,
nen Jet und ne Jacht.
Mit Glanz und Getue
wird Highlife gemacht.
Und Drogen zum Lifestyle,
gestrafftes Gesicht,
Champagner a go, weil:
Kaffee wär zu schlicht.
Das Leben als Mode,
zur Party getrimmt..
Man lacht sich zu Tode.
Mal sehn, ob's gelingt.
Es ist versext
Wo kann man noch gehen,
ohne was vom Sex zu sehen?
Auf Plakaten, in Schaufenstern,
überall tut er gespenstern.
Dass die Läden profitieren,
soll der Sex uns animieren,
ihre Dinge anzufassen
und nicht mehr von ihnen lassen.
Irgendwo geschah es dann.
Ein Bikini bot mir an
etwas Teures abzukaufen,
Gott, wie schnell konnt ich da laufen.
Und es hat mal eine Stadt,
dass sie mehr Besucher hat
und die Reichen bei ihr blieben
sich als arm, aber sexy beschrieben.
Sollen Frauen euch anstarren,
hallo Männer, kauft Zigarren!
Könnt beim Flirt sie gut gebrauchen,
sieht so sexy aus beim Rauchen.
Und zum Schluss: Nach all den Sachen
wird den Tod man sexy machen
und bestimmt hab ich im Grabe
Sextoys als ne Reisegabe.
Liebe usw.
Wahnsinnig verliebt
Von keiner Sachkenntnis getrübt,
behauptet er, dass sie ihn liebt.
Und wenn's auch irre klingt,
er sagt, dass zehnmal tiefer dringt
der Liebe Dorn ins Blut.
als eine Bohrinsel ins Meer.
Der Schnee, auf dem sein Lächeln ruht,
der wird zum Teer,
sagt er,
und alles Geld ist für ihn Schund,
und sein Herz, das jault wie'n Hund,
sagt er.
Dann küsst er ihre Pfötchen
und kaut an ihrem Haar,
und sagt, er sei das Brötchen,
das sie zum Frühstück rupft.
Sie sagt: „Na wunderbar,
wohl wieder Koks geschnupft?“
Jetzt geht er auf ne Himmelfahrt
für sie Kometen kaufen
und kriegt er keine, dann wird's hart,
er will mit Gott sich raufen.
Am Ende reibt er sich die Nas’.
Was kann das wohl bedeuten?
Für sie war alles bloß ein Spaß,
und jetzt ist’s auch den Leuten.
Liebe in userer Zeit
Von Liebe spricht man zwar noch immer,
doch hat das Smartphone sie ersetzt.
Man lebt ganz gut allein im Zimmer,
man ist ja mit der Welt vernetzt.
Der Abend kommt und streut dir Asche,
was einst ein leuchtend Feuer war.
Ich sag blasiert, dass ich dich nasche,
und hab im Mund verbranntes Haar.
Und jedes Ding ruft geil und lüstern:
nimm mich, kauf mich, du musst!
Die Liebe freilich kann nur flüstern,
doch weiß sie alles von der Lust.
Die Seligkeit ist feingeschmiedet
an mein und dein Geschlecht.
Hier wird gerungen und befriedet,
hier ist das Leben echt.
Nur weil du wolltest, dass ich schreibe
von unsrer Liebe, schrieb ich dies.
Geschrieben steht's auf meinem Leibe.
Mit deinen Lippen, Liebste, lies.
Evas Abschiedsrede
Wie du an Technikschaltern drehst,
als wärn es heilge Sachen,
obwohl du nicht einmal verstehst,
die Hose zu zu machen.
So fasst du auch die Erde an,
hängst sie dir um wie'n Orden.
Ein Fleck auf einer Umlaufbahn
ist so aus ihr geworden.
Du bist gefangen, alter Adam,
in lauter falschen Siegen.
Und was du tust, ist Kinderkram:
selbst das, zum Mars zu fliegen.
Und wenn du bei mir liegst,
denkst du: Hier bin ich Meister.
Weil du mein Herz besiegst?
Ach Scheibenkleister.
Du hörst schon auf, bevor es wird.
Dein Fußtritt öffnet Türen.
Grad hat man was bei dir gespürt,
schon kann man bei dir frieren!
Und deine Kriegsspielvideos,
die soll der Teufel holen.
Sag, was empfindest du da bloß?
Und musst du dabei johlen?
Ich werde durch die Tür da gehn,
und du bleibst einfach sitzen.
Sag bloß jetzt nicht "Auf Wiedersehn",
das ähnelt deinen Witzen.
Die jungen Astronauten
Statt Tränen
Training der Gedanken.
Den tragischen Schwänen
Angelhaken in die Flanken!
Nur keine Angst! Revolution
wird zur Regel. Wie Zähneputzen.
Wer vor uns wusste denn schon,
den Mond als Zielscheibe zu nutzen?
Unsre Ahnen krochen
im Moos
und ihr Zukunftsdrang
erzwang
den Fortschritt der Stühle.
Wir sind zu groß
für bequeme Gefühle.
Wir schlagen
Schneisen durch die Rinde
des Himmels.
Raketen tragen
uns durch Wellen und Winde
des Sternengewimmels.
Am Ziel wird Stille sein.
Wir treten in die Geschichte ein.
Wir suchen den Platz
für ein besseres Leben
und hüten den Schatz
des neuen Planeten.
Wir haben die Zukunft gewählt
und Frohsinn und Mut.
Wer sich mit Ängsten quält,
ist schlimmer
als ein Schwimmer
in Mantel und Hut.
Der Rebell
Ins Abendrot geschaut,
sieht mancher da sein Leben.
Schon klingt ein Jammerlaut,
als würd’s kein Morgen geben.
Doch hört, wie einer spricht,
er gibt die bessre Kunde,
hat eine andre Sicht
zu dieser Abendstunde:
"Beim Sonnenuntergang
fühlt ihr der Wehmut Schauer
und singt den Grabgesang
der kurzen Lebensdauer..
Ich aber rühr die Sterne an,
weil in der Lebensdauer
ich unsre Welt verändern kann.
Ich pfeif auf eure Trauer."
Gott und die Menschen
Am Bart hängt ihm der Sterne Reif,
die Augen sind wie Schlitze,
und seine Finger sind zu steif
zum Schleudern seiner Blitze.
Wie hatte er sich abgemüht,
uns eine Welt zu bauen.
Und merkte nicht, was da geschieht:
wir fingen an zu klauen.
Er ließ sich auf ein Bündnis ein,
wir brachen die Gesetze
und mit dem Drang, wie er zu sein,
verlorn wir unsre Schätze.
Es kommt der Tag, dann werden wir
tief in das Weltall spähen
und sehen eine offne Tür,
die führt zu goldnen Sälen.
Und drinnen ist ein Tisch gedeckt,
Gott sitzt dort mit den Tieren.
Man sieht, wie es den Gästen schmeckt.
Uns lässt man draußen frieren.
Doch Gott ist gnädig und er spricht:
"Kommt rein zu meinem Feste.
Und bitte sehr, geniert euch nicht,
für euch gibt es die Reste."