Als ich wieder in meiner Wohnung war, die ein Bunker ist (im Vergleich zu dem, was ich im Reservat gesehen habe), in einer Stadt, die selbst wie ein Bunker ist, ging ich sofort in die virtuelle
Welt und befahl einem Schlagersänger aus dem 20. Jahrhundert: singe mir ein Lied von der Hand. Er war damals ein berühmter Sänger, seine Lieder verkauften sich großartig, er hatte ein etwas
pausbäckiges Gesicht und eine Haartolle auf der Stirn, einen glitzernden Anzug und eine Gitarre, aber er sah mich verständnislos an und zupfte dann einen Akkord und begann wieder von der Liebe zu
singen, der Einsamkeit und dem Verlust und den Ketten, die er lösen wollte.. nichts von einer Hand! Ich zeigte ihm meine Hand, er starrte darauf und begann wieder die alten Lieder, ich merkte,
die Hand zählt hier nicht, hier zählt nur Liebe, Sehnsucht, Verlassenheit, Freiheit. Aber ich dachte an des Alten Hand, den ich im Reservat beim Schnitzen von Tierfiguren getroffen hatte, und an
die Hand seiner Tochter, die meine ergriff und meine Fingerspitzen küsste.,, Bis dahin habe ich nicht gewusst, was das ist, eine Hand. Und ich möchte ein Lied darüber hören, ein Lied, so wie der
Sänger über die Liebe berichtet, als gäbe es nichts Schöneres und Wichtiger als die Hand, ja, der ganze Körper gehört dazu. Auch wenn er altert, er war einmal jung, und wenn er eines
Tages alt ist, hat das Leben sein Nest gefunden und es nistet in den Furchen des Alters und er kann sich erinnern, der Alte, während er schnitzt, erinnert er sich, und ich begreife nicht, wie die
Menschen der Vergangenheit in Kriegen mit diesem Körper so geringschätzig umgehen konnten, und nicht nur in den Kriegen, wie sie diese köstliche Haut, den pulsierenden Stoff der Wärme, diese
traumhafte Substanz, dieses Manna für die Berührung der Hand, wie sie die auch nur anritzen konnten, wie sie auf die Sanftheit so grausam einschlagen konnten..
Der Sänger in der virtuellen Welt war eine Enttäuschung. Aber ich verzeihe ihm. Vom menschlichen Körper hatte er singen sollen, aber wie konnte er: er wusste nicht einmal was von der
Hand, und wenn ich nach seinem Körper gefragt hätte, wäre er in Panik geraten: er hatte keinen Körper. Er war ein Gespenst.
Ich beginne die virtuelle Welt zu meiden und denke ins Reservat zu übersiedeln, dort, wo Menschen leben mit Körpern, Händen und Küssen auf Fingerspitzen.